David Schwamborn „Weil du mir gut tust“

Das ist kein Roman, das ist ein Trinkspiel. Wenn man jedes Mal einen kippen würde, wenn einer grinst, einer lächelt oder einer tief ein- oder ausatmet, wäre man bereits nach 10% dieses Werkes mindestens stark angeheitert. Wenn man dann noch die Erwähnung von „hochgezogenen Brauen“ oder der wirklich „blendend“ aussehenden Weste hinzunimmt, landet auch der härteste Gewohnheitstrinker nach 20% in einer Ausnüchterungszelle…

Worum geht’s? In einem bayrischen Kaff, wo es trotz allem offenbar mindestens zwei Gymnasien gibt, und die Leute so unfassbar konservativ sind, dass sie ihren Kindern, die mit 16 schon mit einem Ford Mustang durch die Gegend fahren, durch die Bank weg englische Vornamen geben und wo anscheinend Schulsportmannschaften in jeglicher Sportart in ganzen „Saisons“ um irgendwelche Pokale kämpfen, kommt bei einem tragischen Unfall irgendein Typ zu Tode, was einem leider nicht nahe geht, weil man den Typen nicht kennen lernt. Außerdem gibt es einen Protagonisten, der völlig zusammenhangslos Leute auf Schulfluren anschreit, trotzdem aber Vertrauensschüler ist und eine Broschüre mit dem Titel „Der Teufelskreis der Sexualität“ rausbringt. Der hat einen Love-Interest namens Lia, die körperlich zwar stärker als die sportlichsten Jungs ist, trotzdem aber auch verletzlich und emotional, weshalb sie ständig beschützt und gerettet werden muss und von sich aus absolut nichts tut, außer fluchen, sich nach dem Typen zu verzehren und sich ritzen… Oh und dann ist da noch was mit einem italienischen Waffen- und Drogenschmuggler, der für das Amt des Bürgermeisters kandidiert.

So, wie dröseln wir das jetzt auf?

1. Der ganze Roman ist voller Logikfehler. Entweder hat der Autor noch nie eine deutsche Schule von innen gesehen, oder die Geschichte sollte eigentlich in den USA spielen, aber es hat sich niemand Mühe bei der Überarbeitung gegeben. Amerikanische Highschool-Klischees sind überall. Am ersten Schultag nach den Ferien haben bereits alle ihren Stundenplan und ihre Schulbücher. In der ersten Stunde ist gleich Unterricht und in Geschichte reden die Schüler nicht ständig über Hitler sondern über George Washington. Aber das ist sowieso völlig irrelevant, weil trotz Schulsetting das Thema Unterricht das ganze Buch hindurch umgangen wird. In dieser Schule scheint niemand etwas zu lernen, es geht nur und ausschließlich um Beziehungskram und Sexgeschichten.

2. Obwohl das Dorf als winzig beschrieben wird, hat der Protagonist Jay seine Angebetete Lia, die in seine Klasse geht und früher mal seine beste Freundin war, irgendwie aus den Augen verloren und sie reden erst wieder miteinander, als Jay zufällig einen neuen Spind direkt neben ihrem zugeteilt bekommt.

3. Überhaupt ist diese Liebesgeschichte bereits nach Seite 5 lahm. Jay ist in Lia verliebt, er gesteht es ein und ist dann das ganze Buch über verliebt. Lia ist nett, aber gebeutelt von einer fürchterlichen Trennung, kann aber von Jay gerettet werden, weil der so ein netter, sensibler Kerl ist.

4. Der Rektor der Schule ist ein wandelnder Deus ex Machina. Er taucht wirklich immer dann auf, wenn es gerade passt, um den Plot in die Richtung zu lenken, dass Jay entweder als armes Mobbingopfer oder als verständiger, mitfühlender Freund vorgestellt werden soll. Es dreht sich generell alles um Jay. Jay sorgt dafür, dass Schüler von der Schule geschmissen werden, Jay sorgt dafür, dass Schüler nicht sexuell belästigt werden, Jay sorgt dafür, dass eine transsexuelle Schülerin das Mädchenklo benutzen darf, Jay sorgt dafür, dass Lia sich nicht mehr ritzt ect.pp. Dass er einen Jungen in die Obdachlosigkeit treibt, wird hingegen kaum kritisch beleuchtet, denn hey, der war voll gemein zu Jay und Lia und hat deshalb alles Schlechte der Welt verdient. Law and Order? Wer ist hier konservativ, David Schwamborn?

5. Generell sind in diesem Buch alle Jugendlichen Arschlöcher außer Jay und Lia. Dafür, dass dieses Dorf so unfassbar konservativ sein soll, stört sich absolut niemand daran, dass hier ausschließlich in Fäkalsprache kommuniziert wird. Der einzige konservative Charakter scheint Jay zu sein, der mit seinem „Teufelskreis der Sexualität“ doch sehr an evangelikale Christen erinnert, die Einfluss auf das amerikanische Schulwesen nehmen wollen…

6. Jay ist durch den Tod seines Freundes traumatisiert. Er hat komische Visionen, sieht aber keinen Grund dazu, sich deswegen in Behandlung zu begeben, lieber brüllt er random Mitschüler auf dem Flur an, die ihn wegen seines Vertrauensschülerstatus um Hilfe bitten. Nein, er fühlt sich sogar berufen, anderen bei ihren Problem zu helfen… Oft genug ist er dabei aber unsensibel und vor allem darauf bedacht, anderen Schuld in die Schuhe zu schieben und sich selbst als Held ins rechte Licht zu rücken.

7. Auch merkt man – wenn man davon absieht, dass Jay innerhalb eines Schulmorgens gleich zweimal auf die Fresse kriegt – nicht viel davon, dass er angeblich gemobbt wird. Die allgegenwärtige „Beliebtheit“ scheint auch nur aus einem inhaltslosen Wort zu bestehen, das Leute abgesehen von ihren Slickback- und Undercut-Frisuren charakterisieren soll.

8. Bedenklich ist, dass an dieser Schule offenbar der Werkunterricht dafür genutzt wird, die Schüler dahingehend auszubeuten, dass die die Schule möblieren müssen und das Geschäftsmodell von Jays Anwaltsvater scheint zu sein, Schülern einzureden, wegen jeder Kleinigkeit andere Schüler und Lehrer oder gar die Schule zu verklagen, wenn nicht alles nach Jays Willen läuft. Jays Wille ist übrigens in diesem Buch ein Synonym für Toleranz. Wer tolerant ist, entscheidet Jay und wenn Jay einen nicht tolerant genug findet, verteilt er Drohungen… So ist bei einer Transfrau Arschlochverhalten ein zu akzeptierender Teil der Persönlichkeit, bei Mädchen, die es ablehnen, angegrabscht zu werden, handelt es sich aber um Intoleranz, die bestraft gehört.

9. Im erzwaldschen Stadtrat wird die „Arbeiterklasse“ von einem kriminellen Mafioso vertreten, der ein Vetorecht in Sachen Schulpolitik hat, weil das in Bayern offensichtlich eine kommunale Angelegenheit ist… Diese ganze Mafia ist so unfassbar dumm. Mit den Worten „Gehen sie nicht zur Polizei“, liefert ein Mafioso den verletzten Jay, bei einem suspendierten Polizisten ab, der deshalb suspendiert wurde, weil der Rest der Polizei von der Mafia unterwandert ist… Hä? Verbrechen werden mit noch mehr Verbrechen vertuscht, die man nur mit Hilfe eines Stücks Papiers beweisen kann, obwohl bestimmt der ganze Ort als Zeuge auftreten könnte, weil hier jeder jedem immer die volle Wahrheit auf alle Fragen erzählt und das ganze dann noch mal zur Sicherheit über die Schullautsprecher verbreitet wird. Von Kronzeugenregelungen hat der Autor noch nie was gehört und in seiner Welt zahlen Versicherungen auch bei erwiesener Brandstiftung…

10. Die Eltern. Alle Eltern in diesem Buch sind Helicopter-Eltern, die ihren Kindern nicht das kleinste Bisschen Privatsphäre gönnen und alle Kinder finden das in Ordnung, sind immer brav, wohlerzogen und nehmen jede Erpressung, jedes unsensible Eindringen in ihr Intimleben klaglos und kommentarlos hin. Sie beantworten alle Fragen, kommen mit jedem Problem zuerst zu den Eltern und das ganze Buch besteht nur aus diesen sinnlosen Dialogen. Rebellion findet hier nur in Form von Flüchen statt und das ist ermüdend langweilig.

Wie liest sich das Ganze?

Der ganze Roman besteht aus fürchterlichen, redundanten Dialogen, die vor allem aus „Wie geht es dir?“ und der Antwort „Ganz gut!“ bestehen. Man hat manchmal das Gefühl, jeder Atemzug wird erwähnt, die kleinsten Nichtigkeiten, sogar Toilettengänge… und dabei wirken die Figuren wie unglaublich schlechte Schauspieler – einerseits blutleer, andererseits überpathetisch.

Sowas wie Raffungen, Erklärungen, Analysen gibt es nicht. Der Roman besteht nur aus Handlung. Das Problem ist, dass diese Handlung zu allergrößten Teil aus Nebensächlichkeiten besteht, die man nicht hätte beschreiben müssen.

Die Sprache hingegen ist furchtbar. Nicht nur, dass noch eine ganze Menge Tippfehler vorhanden sind, bei manchen Verben hat man das Gefühl, der Autor kennt ihre Bedeutung nicht. Viele Sätze wirken gestelzt, die „Jugendsprache“ bemüht. Ständig wiederholen sich Dinge und Probleme. Man hat auf der ersten Seite kapiert, dass Jay die Schule nicht wechseln will, warum tauchen danach immer und immer wieder Diskussionen zu dem Thema auf? Jays Weste möchte man spätestens nach der dritten Erwähnung in einem rituellen Feuer verbrennen, damit die einem nicht mehr ständig unter die Nase gerieben wird.

Furchtbarkeiten wie „minzgrüne“ oder „eisblaue“ Augen runden den gruseligen Eindruck dieses Machwerks endgültig ab.

Und die Charaktere?

Lia ist der zweitnervigste Charakter, der mir je in einem Buch untergekommen ist. Sie wird nur geschlagen von Jay, aber zu dem kommen wir später.

Lia, die vorgestellt wird als „starke Frauenfigur“, lebt doch nur in der Reflexion durch Jay, wie alle anderen Figuren auch. Ihre Stärke ist körperlich und verbal. Sie gibt sich wie ein Kerl, weil das und nur das Stärke ist. Alles, was irgendwie mit Weiblichkeit assoziiert wird, muss beschützt und behütet und anwaltlich vertreten werden. Auch Lia muss ständig verteidigt werden und ist gleichzeitig der Preis, den Jay für seine Nettigkeit erlangt. Dafür, dass das Buch nicht sexistisch sein will, ist das einfach nur armselig.

Jay hingegen ist der fürsorgliche und doch rechtschaffene und vor allem reine Kerl, der ungerechtfertigter Weise unter Mordverdacht gerät, was sich aber nicht erhärtet und was sofort alle akzeptieren und was sein Beliebtheitskonto sogar aufzufüllen scheint. Er berät andere Schüler, die sexuelle Probleme haben, weil es genau das ist, was verunsicherte Teenager tun, wenn sie solche Probleme haben. Auf diese Schule scheinen außerdem nahezu ALLE Schüler entweder schwul, bi, lesbisch oder trans zu sein – mit Ausnahme der Protagonisten (was sie auch irgendwie zu einer zu schützenden Minderheit macht, nehme ich an). Das passt einfach alles hinten und vorne nicht. Hier wurde versucht, einen sympathischen Charakter zu entwickeln. Herausgekommen ist ein Jammerlappen, der als Held stilisiert wird. Oder ein Held, der als Jammerlappen stilisiert wird? Und dafür, dass er angeblich ein menschliches Bollwerk gegen Sexismus sein will, schwadroniert er auffallend oft darüber, wie gut Lia sich in den letzten Jahren entwickelt hat… so als Frau, you know… Da „hebt sich die Braue“, nehm ich an…

Er hat außerdem seltsame Visionen, die anscheinend wie ein Filmstilmittel gemeint sind, sich aber im geschriebenen Text etwas seltsam lesen, wobei das wohl Geschmackssache sein dürfte… immerhin ist das das einzige, was man in diesem Roman als Stil(mittel) bezeichnen kann.

Bezeichnend ist, dass der Protagonist keinen einzigen Fehler macht. Als er nach einem abgehauenen Mitschüler sucht, findet er ihn an dem erst besten Ort, an dem er sucht. Als er versucht, sich aus dem Verhör bei der Mafia herauszuquatschen, trifft er genau die richtigen Worte, um den Mafiaboss (der Leute höchstpersönlich selbst zusammenschlägt), milde zu stimmen. Dagegen ist er ständig beleidigt, wenn Leute ihm Widerworte geben, schließlich ist er eine Hauptperson und die hat immer Recht! Andere Leute sind entweder nur Steine in seinem Weg, Werkzeuge, die er benutzen kann, oder Preise, die er erringt.

Kurz gesagt: Der Weg in die Hölle ist gepflastert mit guten Absichten. Sicherlich hatte der Autor Gutes im Sinn, als er ein Buch gegen Sexismus und für Toleranz schreiben wollte. Ich frage mich nur, ob dieses Buch jemals erscheinen wird.

Advertisements

Douglas Adams – „Der elektrische Mönch“

Letztes Jahr hat Netflix zusammen mit BBC America die Serie „Dirk Gently’s Holistic Detective Agency“ produziert und ich kann euch nur anraten, sie euch anzusehen. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Douglas Adams, der in der deutschen Übersetzung „Der elektrische Mönch“ heißt, inhaltlich aber rein gar nichts mit der Serie zu tun hat – was nicht heißt, dass die beiden Geschichten nicht einen ähnlichen Esprit haben…

Leider erschien nach „Der elektrische Mönch“ nur noch ein weiterer Dirk Gently-Roman („Der lange dunkle Fünfuhrtee der Seele“) und ein halber, den Adams vor seinem Tod nicht mehr zu Ende schreiben konnte, den man aber trotzdem verlegt hat („Lachs im Zweifel“).

Adams selbst nannte „Der elektrische Mönch“ ein „Geister-Horror-Wer-ist-der-Täter-Zeitmaschinen-Romanzen-Komödien-Musical-Epos“ und damit ist eigentlich schon sehr viel gesagt, denn, so irre das klingt, das trifft es ziemlich genau…

Es geht um Musik, Computer, Mord, Pferde, Zaubertricks, Zeitreisen, außerirdische Geister und ein bisschen auch vielleicht um Vampire, aber das würde Dirk Gently selbst natürlich vollständig abstreiten…

Dirk Gently, die eigentliche Hauptperson, taucht erst in der zweiten Hälfte des Buches auf, wenn Adams den Leser bereits mit einer ganzen Reihe scheinbar völlig unzusammenhängender Plotfetzen verwirrt hat, und macht sich daran, die Geschichten zusammenzuführen. Er arbeitet dabei nicht wie ein gewöhnlicher Detektiv in der Tradition von Sherlock Holmes, sondern nach dem Prinzip, dass alles mit allem in Verbindung steht. Man kann also praktisch überall anfangen zu suchen und findet am Ende schon irgendwie die Lösung zu welchem Problem auch immer… Er erklärt seine Methoden mit Hilfe der Quantenmechanik und führt seine Befragungen unter Hypnose durch.

So abgefahren das alles erscheint, die großen Gags, die man von Douglas Adams erwartet, fehlen hier. Natürlich ist der Roman immer noch recht vergnüglich geschrieben, aber eben eher ein Ganzes, das seinen Humor aus der Auflösung der Handlungsstränge zieht, während die Anhalter-Romane ja zumeist eher einer Aneinanderreihung von irren Ideen gleichen, einen richtigen Plot aber eher vermissen lassen.

„Der elektrische Mönch“ hat tatsächlich nur ein Problem und das ist sein Autor. Ich will nicht sagen, Douglas Adams hätte nachlässig gearbeitet, aber er hatte entweder große Probleme die Deadline für sein Buch einzuhalten, oder nachdem sich die Handlung halbwegs entwirrt hatte, verlor er die Lust die Auflösung richtig auszuarbeiten, denn so richtig kapiert habe ich das mit dem Gedicht nicht und eine Beschreibung der Zeitmaschine und ihrer Funktionsweise, die ein zentrales Element der Geschichte ist, gibt es auch nicht… Was bei mir den Eindruck erweckt, dass dies eigentlich eine Crossover-Fanfiction von Doctor Who und Sherlock Holmes sein soll, ohne irgendwelche Markenschutzrechte zu verletzen.

Der namensgebende elektrische Mönch selbst bekleidet übrigens nur eine kleine Nebenrolle und ich glaube, der Roman hätte auch prima ohne ihn und den Mord, der dem ganzen wohl einen krimihaften Touch verleihen sollte, funktioniert. Überhaupt ist Douglas Adams Stil sehr gewöhnungsbedürftig, fast schon nervtötend – was natürlich beabsichtigt ist. Es gibt so gut wie keine Erklärungen, dafür aber sehr anschauliche und völlig irrelevante Umgebungsbeschreibungen. Oft muss man vier oder fünf Absätze lesen, um zu erfahren, von wem das jeweilige Kapitel handelt, weil immer nur Personalpronomen verwendet werden. Jedem Anfängerautor würde man sowas als Effekthascherei um die Ohren schlagen, aber Douglas Adams kümmert sich kein bisschen um konventionelle Schriftstellerei und wirkt dadurch umso versteifter, denn manchmal scheint er sich tatsächlich um die Originalität so sehr zu bemühen, dass man als Leser eher die Augen verdreht, als überrascht von all dem Esprit zu lachen.

Hinzu kommt, dass meine Ausgabe des Buches – aus dem Heyne-Verlag – unfassbar viele Druckfehler enthält und ich glaube, dass es mit einem missglückten Scanvorgang zu tun hat, denn das Wort „Quanten“ wird ziemlich häufig (aber nicht immer) „Ouanten“ geschrieben. Dass das niemand beim Korrekturlesen bemerkt hat, lässt sich eigentlich nur dadurch erklären, dass es niemand korrekturgelesen hat.

Mein Fazit ist also: Das Buch ist ganz nett, nicht brillant, aber auch nicht grottenschlecht. Selbst dafür dass es schon so alt ist und von den Anfängen des Computerzeitalters erzählt, wirkt es nicht altbacken, aber eben auch nicht mehr ganz zeitgemäß. Die Netflix-Serie hält sich hingegen zwar kein bisschen an den Plot, wirkt aber, vor allem was die Auflösung angeht, sehr viel liebevoller ausgearbeitet als das Buch und ist auch insgesamt unterhaltsamer, finde ich. Man kann das Buch lesen, muss es aber nicht. Die Serie hingegen lohnt sich für alle, die auf irrwitzige Plots, verrückt-geniale Protagonisten und quietschbunte Lederjacken stehen (und alle Fans von Doctor Who und Sherlock).

Joseph Conrad – „Herz der Finsternis“

Vietnam 1969. Captain Willard wird auf eine geheime Mission geschickt. Er soll mit einem kleinen Schiff einen Fluss hinauf in Richtung Kambodscha fahren. Dorthin soll sich in den Dschungel ein gewisser Colonel Kurtz abgesetzt haben und durchgedreht sein. Willard soll ihn aufsuchen und zur Strecke bringen.

Unterwegs wird er und seine kleine Schiffsmannschaft mit den Schrecken des Vietnamkrieges konfrontiert, bevor er auf Kurtz trifft, der gleichzeitig auf faszinierende und schreckliche Weise ein Terrorregime im Urwald etabliert hat und einen Privatkrieg „gegen den Krieg“ führt.

Das ist der Plot von Francis Ford Coppolas Film „Apocalypse Now“.

Der Film basiert auf einer literarischen Vorlage, nämlich Joseph Conrads Erzählung „Herz der Finsternis“, das im Jahr 1899 erscheint und natürlich nicht in Vietnam spielt, sondern in Afrika. Wo genau, wird nie genau erklärt, es lässt sich jedoch erschließen, dass der Fluss, auf dem die Geschichte spielt, der Kongo ist.

Es geht in dem Buch jedoch nicht um irgendeinem Krieg, sondern um den Kolonialismus und die Ausbeutung, Versklavung und Erniedrigung der afrikanischen Bevölkerung, „Wilde“ genannt. Joseph Conrad selbst hatte den Kongo bereist und beschreibt seine eigenen Eindrücke von der Wildnis des Dschungels und dem Verlust der „Zivilisation“, sobald man Menschen Macht gibt und Gesetze nimmt.

Schiffskapitän Marlow liegt mit seinem Boot in der Themse bei Nacht und erzählt seiner Mannschaft von seinen Erlebnissen in Afrika, wie er mit einem Dampfschiff einen Fluss hinauffuhr, um Elfenbein zu transportieren. Er erzählt von Bürokraten, in Ketten gelegten Arbeitern, verhungernden Menschen, Menschen, die man nicht ausbildet, sondern „abrichtet“. Er erzählt vom Dickicht und den Gefahren der Wildnis, der unerschlossenen, prähistorischen Welt und wie diese einen Menschen in den Wahnsinn treiben kann, wie Rassismus die vermeintliche Kultur untergräbt und wie man sich selbst entmenschlicht, indem man andere entmenschlicht.

Und dann ist da Mr. Kurtz, ein Mann, der sich von den Eingeborenen als Gott anbeten lässt, der mehr Elfenbein den Fluss hinab schickt, als jeder andere und der sein Haus mit den abgetrennten Köpfen von „Rebellen“ verziert.

Macht fasziniert und erschreckt. Intelligenz bedeutet nicht gleich Güte und Gerechtigkeit. Bestialität geht nicht einher mit Bosheit, sondern mit Hohlheit und Stumpfsinn.

George Orwell nannte Joseph Conrad einen der besten Schriftsteller seines Jahrhunderts und bescheinigte ihm ein erwachsenes und politisches Verständnis, das er für unüblich in der englischen Literaturlandschaft hielt. Conrad verstand etwas, das Rudyard Kipling nie verstand: Den Zynismus in der Behauptung, dass der Kolonialismus nur das beste für die eingeborene Bevölkerung bedeutet und der weiße Mann sich für ihre Zivilisierung aufopferte. Kipling war naiv genug, an das Gute und das Ehrenwerte in der Ausbeutung zu glauben und Orwell gewährte ihm dafür eine gewisse Dispens, weil eine derartige Ansicht zumindest nicht faschistisch (also auf Ausrottung und Vernichtung ausgerichtet) sei. Nur sind gute Absichten eben das Gegenteil von guten Resultaten…

Hannah Arendt zieht „Herz der Finsternis“ heran, um an Hand der Figur von Herrn Kurtz den Irrsinn des Rassismus zu erläutern.

Chinua Achebe hingegen nannte Conrad selbst einen Rassisten, der sich nicht von seiner imperialistischen Weltsicht habe lösen können. Wie gerecht dieses Urteil ist, muss jeder für sich selbst klären, denn für seine Zeit hatte Conrad eher außergewöhnliche, geradezu moderne Ansichten, obwohl er die eingeborenen Afrikaner durchweg als Opfer, nie aber als selbständig denkende und handelnde Menschen darstellt. Ist das nun unwillkürlich Teil seiner Weltsicht oder Stilmittel, um zu erläutern, wie wenig Verständnis Europäer den afrikanischen Kulturen entgegenbrachten?

George Orwell der seines Zeichens ebenfalls einige Erzählungen und Erlebnisberichte aus seiner Zeit in Burma verfasste, gibt zwar lebendigere Beschreibungen und Analysen der einheimischen Bevölkerung und ihrem Verhalten den Kolonialherren gegenüber ab, kommt aber zu sehr ähnlichen Schlüssen wie Joseph Conrad: Es ist Misstrauen, das zu Unverständnis führt und Unverständnis führt wiederum zu Abwertung und Abwertung zu Abstumpfung.

Ferner beschreibt Conrad ein Phänomen, das auch Solomon Northup erwähnt: Menschen, deren Willen gebrochen wurde, erheben sich nicht gegen ihre Unterdrücker. Sie nehmen ihr Dasein als Sklave hin und verlieren vielleicht jeglichen Selbstwertgefühl. Gleichzeitig leben ihrer Herren in steter Angst davor, dass die Unterdrückten sich doch erheben könnten, weshalb sie immer strenger und gnadenloser herrschen, denn Macht gibt ein Gefühl von Sicherheit.

Joseph Conrad beschreibt schonungslos, nicht emotionslos, aber auch nicht gefühlsduselig. Die Schilderungen sind hart, aber nicht ohne schriftstellerische Schönheit. Es ist Faszination im Schrecken und es ist Ernüchterung in der Erkenntnis, jedoch keine Ruhe in der Erinnerung.

Und die Parallelen zwischen der Kolonialisierung Afrikas und der US-amerikanischen Intervention in Vietnam sorgten dafür, dass das Thema und die Figuren sich ohne weiteres in das andere, zeitlich näherliegende Setting übertragen lassen.

Seht euch den Film an. Lest das Buch. Generische Fantasy-Abenteuer könnt ihr noch genug lesen. Das hier ist ein Horrortrip, der nachwirkt.

Antje Babenererde – „Julischatten“

Unangepasste Jugendliche macht Ferien in Pine Ridge und gerät in ein Liebesdreieck mit zwei Typen. Das ist im Prinzip der Rote Faden und alles, was zusätzlich passiert, ist ausschmückendes Füllmaterial, das in seinen besten Momenten das Leben in einem Indianerreservat illustriert, in seinen schlechtesten ins Sentimentale abdriftet.

Anerkennen möchte ich ausdrücklich, dass die Autorin offensichtlich das Pine Ridge-Reservat persönlich besucht und ordentlich recherchiert hat.
Nur selten gibt es Kitsch- oder Klischee-Momente die Kultur der Lakota betreffend. Frau Babendererde schildert das Leben im Reservat realistisch und sogar kritisch. Dafür gebührt ihr wirklich Respekt.

Der Rest des Buches ist leider größtenteils daneben. Keiner der drei Protagonisten – Sim, Jimi und Lukas – vermochte es, mich mitzureißen. Keiner ist wirklich sympathisch und wo Frau Babendererde bei der Rahmenhandlung ohne Klischees ausgekommen ist, konstruiert sie bei ihren Figuren einen Pappaufsteller nach dem anderen.

Sim ist eine ziemlich nervtötende, selbstmitleidige Mary-Sue, der es offenbar völlig egal ist, dass sie eine tiefe Freundschaft zerstört. Sie praktiziert kein bisschen Selbstreflexion. Kritik an ihrer Person prallt an ihr ab, ohne dass darauf näher eingegangen wird.

Dann sind da noch Jimi und Lukas, die beide vom Schicksal gebeutelt wurden und sich prompt beide in Sim verlieben.
Vollkommen unerträglich ist dabei der blinde Lukas, der wirklich keinen einzigen Charakterfehler aufzuweisen scheint.

Noch unerträglicher ist nur Tante Jo, die mit ihrem Laden für Kunsthandwerk den Indianern ihre eigene Kultur verkauft und dafür von allen Seiten Dankbarkeit erntet – oh, und sie hat den besten Kaffee und die beste Schokolade und überhaupt ist alles, was sie aus Deutschland bezieht, viel besser als das Zeug, das man im Reservat bekommt. Muss man uns das wirklich ständig unter die Nase reiben?

Die Liebesgeschichte wirkt vollkommen konstruiert. Immer dann wenn es dramaturgisch benötigt wird, kommt eine Blinddarmentzündung, ein Ausflug, eine Party, ein Fest oder ein Sandsturm dazwischen, sodass unser Liebespaar sich ungestört näher kommen kann. Deus ex machina nennt man sowas und gehört zum schlechten Stil!

Die restliche Handlung des Buches weckt trotz allem Interesse. In einigen lichten Momenten beweist Frau Babendererde, dass sie schreiben kann. Hier und da kommt sogar Spannung auf – wirklich! Leider muss man sich dafür durch eine lähmend-langweilige Dreiecks-Liebesgeschichte quälen, die noch dazu vor Schmalz trieft.
Ohne diese wäre das Buch vielleicht nur halb so lange, dafür aber vielleicht empfehlenswert.

Marcos & Paco I. Taibo – „Unbequeme Tote“

Es ist nicht ganz klar, was das hier nun für ein Buch ist. Propaganda? Unterhaltung?
Zumindest ist es ein Krimi, aber darum geht es eigentlich gar nicht.

Das Buch ist extrem vielschichtig und versucht, sehr viel Inhalt auf wenige Seiten und in scheinbar „seichte“ Literatur zu packen.

Da haben wir die Eröffnungsepisode, in der kurz das Leben im zapatistischen Autonomiegebiet vorgestellt und beschrieben wird.
Wir haben die kurze Episode um die Friedensbeobachter (die mit der Geschichte eigentlich gar nichts zu tun haben), die aufzeigen soll, dass der Zapatismus gerade Außenseiter der Gesellschaft anzieht, weil er ihnen nicht mit Vorurteilen begegnet. (Später, als Marcos die zapatistische „Spezialeinheit“ beschreibt, kommt er auf diesen Anspruch noch deutlicher zurück.)
Dann ist da Elias Contreras – Ermittlungskommission -, der eigentlich schon tot ist, was eine Anspielung auf die indianische Vorstellung ist, dass die Toten weiterhin Einfluss auf das Leben anderer nehmen können und der Übergang zwischen Tod und Leben fließend ist (eine Idee, die hintergründig das ganze Buch durchzieht). Sein naiver Scharfsinn und seine charmante, eigenwillige Sprache machen ihn jedoch zu einer überaus lebendigen Figur. (Das ist allerdings kein Wunder, denn Marcos ist dafür bekannt, brillante Figuren erfinden zu können.)
Es geht um verbrecherische Handlanger der politischen Klasse, um Umweltzerstörung, um Unterdrückung, Repressionen des Staates gegen das mexikanische Volk und um krude Verschwörungstheorien rund um Osama bin Laden.
Dagegen wirken Taibos Anteile des Romans eher routiniert und konventionell, wenngleich es ihm ohne weiteres gelingt dem Leser einen detaillierten Eindruck vom Leben in der der Metropole Mexico City zu vermitteln. Auch sein – bereits zuvor etablierter – Protagonist Belascoarán ist sympathisch – bleibt gegen Marcos leicht chaotischen Schreibstil, bei dem scheinbar wahllos Figuren auftauchen und wieder verschwinden, etwas farblos (dafür bleibt er aber wenigstens dem Genre „Kriminalroman“ ohne Abschweifungen treu).

Die Kriminalfälle an sich, auch die Ermittlungen und die Auflösung sind dabei so nebensächlich, dass sie teilweise gar nicht groß ausgearbeitet werden. Das ist für mich persönlich ein Minuspunkt, da ein Großteil der Spannung einfach verpufft.

Bleibt am Ende die Erkenntnis, dass es „den einen Bösen“, den man einfach nur finden, schnappen und aus dem Verkehr ziehen muss, um die Welt gut und gerecht zu machen, nicht gibt. „Das Böse“ – das sind Menschen, die von Gier, Macht und Versprechungen korrumpiert werden und davon überzeugt sind, eigentlich nur kleine Lichter in einem korrupten System zu sein und selbst unter die Räder gekommen wären, wenn sie nicht kooperiert hätten.
Eine starke Aussage – belegt mit einer Geschichte, die natürlich konstruiert ist, die aber erstaunliche Schnittpunkte und Parallelen zur Realität aufweist und damit sicherlich nicht an Wahrheit entbehrt.

Das Werk ist natürlich Propaganda.
Und es ist Unterhaltung.
Es ist charmant, witzig, unkonventionell, abwechslungsreich und lässt sich, trotz der verschiedenen Stile, flüssig lesen.

Chris Chibnal & Erin Kelly „Broadchurch – Der Mörder unter uns“

Ein Buch zum Film ist weder Fisch noch Fleisch. Es fehlen die audio-visuellen Effekte, die einem Film Atmosphäre verleihen und in den meisten Fällen fehlt es ihm auch an der analytischen Tiefe, die ein Roman auszubreiten in der Lage ist.
Leider ist dies auch hier der Fall.Wer die Serie gesehen hat, bemerkt sofort, wie sich hier von Szene zu Szene gehangelt wird. Die Kamerafahrten, die Szenenbilder werden nachvollzogen, einen tieferen Einblick als die bloßen Beschreibungen der Dinge, die man „sieht“, gibt es aber kaum.
Das verleiht dem Roman den Charakter einer Nacherzählung, nicht aber den eines eigenständigen Romans.

Dass dies die Ausformulierung eines Drehbuchs ist, merkt man ab der ersten Seite. Es ist in einem ungewöhnlichen, stakkatoartigen Stil gehalten, so also hätte jemand beim Schreiben eine Checkliste abgehakt, welche Stichworte noch einzufügen sind.

Erzählt wird im Präsens, was ich persönlich sehr ungeschickt finde, da diese Geschichte nicht von gehetzter Action und plötzlichen Wendungen lebt, sondern von der bedrohlichen Atmosphäre, dem Suspense, der Vermutung.
Die Fernsehserie ist bewusst in ruhigem Ton und nüchternen Bilder gehalten, um dem Plot und den Vermutungen des Zuschauers Raum zu geben, sich auszubreiten.
Im Buch fehlt dieser Raum. Alles wirkt dicht und hektisch – ist dabei vielleicht näher an der Realität, zerstört aber den Flair der Fernsehserie.

Der Plot ist altbekannt und sehr konventionell, nichts desto trotz spannend und intelligent konstruiert.
Die Geschichte lebt allerdings von den interessanten Charakteren – insbesondere den beiden so unterschiedlichen Ermittlern. Hier schafft es das Buch die Figuren von einem Medium ins andere zu übersetzen, was den Roman vielleicht rettet.

Das Lesen dieses Romans zum Film ist keine Zeitverschwendung, auch nicht, wenn man die Serie gesehen hat, aber man hat hier eben auch nicht den am besten ausformulierten Krimi der Welt vor sich. Es ist leicht lesbare Unterhaltung mit Schwächen. Nicht mehr, nicht weniger.

 

Eugene McCabe „Tod und Nachtigallen“

Eugene McCabes Roman „Tod und Nachtigallen“ ist ein historischer Roman und eine Parabel des Nordirland-Konflikts. Er gilt als einer der „großen irischen Romane“, dabei ist das Büchlein eigentlich recht dünn und die erste Hälfte der Handlung plätschert so ein wenig dahin.

Die Atmosphäre ist von Anfang an unheilschwanger, aber so genau kann man mit dem Finger nicht auf den sich anbahnenden Konflikt deuten. Dem Leser entfalten sich zunächst vor seinem inneren Auge weite Moor- und Heidelandschaften, das ländliche Leben Ende des 19. Jahrhunderts in Nordirland.

Eine gewisse Langatmigkeit ist nicht von der Hand zu weisen. Man sollte nur nicht den Fehler begehen, dann mit dem Lesen aufzuhören, denn… was sich gegen Ende des Romans abspielt, ist an Spannung eigentlich kaum zu überbieten.

Beth lebt mit ihrem sogenannten Vater in der nordirischen Provinz. Er ist protestantischer Grundbesitzer, sie katholisch getauft. Ihre Beziehung ist kompliziert, Beth schwanger und die Flucht mit ihrem Geliebten nach Amerika längst geplant.

Die Geschichte beginnt an Beth‘ Geburtstag, dem Tag ihrer geplanten Flucht. Erzählt werden die kleinen Nebensächlichkeiten des Alltags, durchwoben von Rückblenden, die uns die Romanze zwischen Beth und ihrem Geliebten näherbringen.

Und dann folgt der Bruch.

Als Beth ihren Vater um einen kleinen Goldschatz bestiehlt, beginnt die Geschichte aus dem Ruder zu laufen…

Hatte man zu Anfang eine recht klare Vorstellung davon, wer hier „gut“ und wer „böse“ sein soll, lassen gegen Ende die Figuren ihre Masken fallen und nicht einer kommt hier unbescholten davon.

Besonders interessant ist dabei die Entwicklung, die Beth durchläuft. Scheint sie zu Anfang ein naives, gutgläubiges Mädchen zu sein, macht die Gesellschaft, in der sie sich befindet, sie zu einem kaltblütigen Racheengel.

Ich habe versucht, den Roman als eine Allegorie zur Geschichte Irlands zu lesen, und es lassen sich durchaus ein paar Parallelen erkennen. Die Katholikin, die sich von ihrem protestantischen Elternhaus lossagen will und von jenen, denen sie dabei vertraut hat, schließlich verraten wird, woraufhin sie selbst gewalttätig wird… Das hat etwas vom irischen Bürgerkrieg.

Aber auch wenn man das Buch nicht interpretieren will, ist es gegen Ende hochspannend und vielleicht auch ein bisschen erschreckend. Ich habe den Roman und seine intensive und gleichzeitig unaufdringliche Sprache sehr genossen. Ich kann nicht anders, als dieses Buch dringend zu empfehlen! Aber lest es um Gottes Willen zu Ende!

Elsemarie Maletzke „Maud Gonne – Ein Leben für Irland“

Maud Gonne kennt man heute hierzulande – wenn überhaupt – nur noch als die Frau, die sich weigerte, William Butler Yeats zu heiraten und für die die meisten seiner Liebesgedichte geschrieben wurden.

Tatsächlich hat sie ein langen, engagiertes und bewegtes Leben geführt, das nicht ohne Widersprüchlichkeiten blieb. Sie war Engländerin, hat in ihrem Leben aber nichts mehr gehasst als die Engländer. Sie war die (heimliche) Geliebte eines rechtsradikalen, französischen Politikers und gleichzeitig Freiheitskämpferin in Irland. Sie kümmerte sich aufopferungsvoll um die Interessen der armen irische Bauern, reiste selbst aber immer erster Klasse und hatte eine Schwäche für Luxusaccessoires. Sie heiratete einen trunksüchtigen Schürzenjäger, den sie nach dessen Hinrichtung zum Heiligen stilisierte, verleugnete in der Öffentlichkeit ihre unehelichen Kinder, nahm jedoch ihre viel jüngere, uneheliche Halbschwester in ihre Obhut.

Sie war Muse, Schauspielerin, Rebellin, politische Gefangene, die „Frau von den Feen“ und Symbolfigur für die irische Unabhängigkeitsbewegung. Sie war schön, groß, stolz, stur, eigensinnig, kratzbürstig, selbständig und nervtötend, eine Frau, die machte, was sie wollte, die niemand kontrollieren konnte und die auf alle Konventionen pfiff – eine Feministin, die sich nicht Feministin nannte, weil es für sie selbstverständlich war, dass sie mit ihrem Leben machte, was ihr gefiel. Sie kämpfte nicht für ihre Rechte als Frau, sondern nahm sie sich einfach.

Denn in ihrem Leben gab es wichtigeres als sie selbst.

Elsemarie Maletzke hat Maud Gonnes Biographie geschrieben und ihr den Untertitel „Ein Leben für Irland“ gegeben. Tatsächlich war Irland das einzige, was Gonne in ihrem Leben immer treu blieb, obwohl sie die meiste Zeit ihres Lebens gar nicht dort verbrachte.

Anders als in der von Gonne selbst verfassten Autobiographie erfährt man in Maletzkes Buch mehr über den ambivalenten Charakter und die Geheimnisse, die Maud Gonne vor der Öffentlichkeit verheimlichen wollte. Sie konfrontiert uns auch mit unangenehmen, verstörenden Zitaten und Ansichten, damit dass Gonne eher auf emotionalen als auf rationalen Antrieb hin handelte und häufig über das Ziel hinausschoss oder nicht zu differenzieren verstand.

Bemerkenswert ist die Persönlichkeit Maud Gonnes dennoch, ihr Leben außergewöhnlich – um nicht zu sagen abenteuerlich.

Durch das ganze Buch zieht sich außerdem – wie nebenbei- natürlich auch die Biographie von William Butler Yeats, der ebenfalls kein tragischer Held der Literaturgeschichte gewesen ist, sondern teilweise sehr sonderbare Ansichten an den Tag legte. Die Beziehung zwischen Gonne und Yeats ist von Höhen und Tiefen geprägt und eindeutig dominiert vom starken Willen Mauds, die sich nie scheute, ihn vor den Kopf zu stoßen.

Elsemarie Maletzke versteht es, in einem leicht süffisanten, fast schon ironischen Stil zu schreiben, ohne albern zu wirken oder sich über den Gegenstand ihrer Abhandlung lustig zu machen. Subtil weist sie auf charakterliche Schwächen und bigotte Ansichten hin, ohne Gonne dafür zu verdammen oder ihre Bedeutung in Frage zu stellen. Denn trotz aller menschlicher Fehler steht fest, dass Maud Gonne eine herausragende Frau gewesen ist, die es verstand, in der Öffentlichkeit ihren Standpunkt zu vertreten – manchmal mit unlauteren Mitteln, aber immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und von einer erstaunlichen Furchtlosigkeit getrieben.

Ihre Biographie liest sich flüssig, spannend, unterhaltsam und vermittelt gleichzeitig einen umfassenden Eindruck der jüngeren Geschichte Irlands. Ich empfehle das Buch vollumfänglich. Für mich war es eines der Bücher, das ich kaum aus der Hand legen konnte.

Jasper P. Morgan „Die Rache einer Frau“

Es handelt sich um einen Westernroman, der im Selbstverlag als eBook veröffentlicht wurde. Nun gehört das Westerngenre zu meinen guilty pleasures, so wie andere Leute gerne trashige Monster-Horrorfilme schauen. Trotzdem kann man selbst als Fan nicht über alles hinweg sehen…

Gut, wenn man einen Roman mit dieser Aufmachung für entsprechend kleines Geld kauft, erwartet man keine Hochliteratur.
Dass das hier kompletter Schund ist, sieht man auf den ersten Blick und es ist okay. Es gibt einen Markt für Schundliteratur und der hat natürlich das Recht, auch bedient zu werden.

Offensichtlich handelt es sich bei dem Autor um einen Einzelkämpfer. So lassen sich die doch recht zahlreichen Tippfehler erklären. Im Vergleich zu den teilweise sinnlosen Zeilenumbrüchen mitten im Satz, nerven die allerdings nicht so sehr.

Zum Inhalt: Hattie Darrow, ihr Mann und ihr Stiefsohn führen eine Ranch, die gleichzeitig als Wechselstation für Postkutschenpferde dient. Als eine Bande Postkutschenräuber die Ranch überfallen, niederbrennen, Mann und Stiefsohn, sowie diverse Postkutschenreisende töten, schwört Hattie Rache, nachdem sie selbst dem Massaker nur um ein Haar entrinnt.
Sie schließt sich Jack Brandon an, der ihr das Leben gerettet und sie gesund gepflegt hat und der ihr das Schießen beibringt. Ihnen schließen sich weiterhin zwei Frauen an, die den Überfall und ihre Entführung ebenfalls nur mit Glück überlebt haben.

Das ist im Prinzip der ganze Plot. Es passiert nichts Überraschendes oder Unvorhersehbares. Der ganze Plot ist sehr konventionell bis langweilig. Der Rest wird aufgefüllt mit Sex- und Gewaltszenen – immer im Wechsel, immer mit dem gleichen Aufbau und teilweise sich wiederholenden Beschreibungen.

Eine Charakterisierung der Figuren findet nicht statt. Insbesondere die Antagonisten werden nicht vorgestellt. Sie dürfen einmal kurz eine Frau ‚flachlegen‘, bevor sie auf die ein oder andere Weise in die ewigen Jagdgründe eingehen. Das wirkt extrem ermüdend, denn als Leser fällt es mir schwer, eine emotionale Beziehung (in ihrem Fall Abscheu, Wut, Ekel) zu entwickeln, die es einem möglich macht, die Beweggründe der Protagonisten zu verstehen.
Noch größere Probleme als mit den Schurken habe ich jedoch mit den Protagonisten, beziehungsweise ‚den Guten‘.
Die beiden Frauen neben Hattie Darrow, Norma und Louise, bleiben komplett farblos. Sie haben keine Funktion in der Geschichte, außer dass an Hand ihres Schicksals nochmal gezeigt werden soll, wie skrupellos und grundlos brutal die Bösewichte sind.
Damit für diese beiden Frauen am Ende aber auch ein Happy-End bereit steht, wurden weitere Pappaufsteller-Figuren erfunden, die sich dann rein zufällig in Norma und Louise verlieben. Diese Figuren (ein Sheriff und ein Siedler) sind extrem lieblos ausgearbeitet. Auch sie erfüllen nur den Zweck, das Drama-Level möglichst hoch zu halten. Wirklich etwas zur Story beitragen tun sie nicht.

Jack Brandon hingegen ist ein wandelndes Klischee: Der geläuterte, nun ehrenhafte und grundmoralische Revolverheld, der einen Mann nur dann erschießt, wenn er auch eine Chance hat, sich zu verteidigen. Hochgradig lächerlich!
Er kann alles, weiß alles – und zwar insbesondere besser als die Frauen, weil die – ja, die können nämlich gar nichts alleine machen und bringen sich grundsätzlich immer in brenzlige Situationen, schießen immer daneben, werden Opfer, müssen gerettet oder verteidigt werden, können noch nicht einmal eine Wunde selbst versorgen.
Warum genau Brandon auf einem Rachefeldzug ist, wird nicht wirklich erzählt. Es wird kurz etwas davon erwähnt, dass er aus eine Bande austreten wollte und dafür mit fünf Kugeln niedergeschossen wurde (was für ein harter Kerl, wo doch all die anderen namenlosen Pappaufsteller-‚Satteltramps‘ mit nur einem Schuss mausetot umfallen).

Hattie ist von allen die vielleicht komplexeste Figur, was aber vor allem daran liegt, dass sie zuerst als vollkommen hilflos und später als ‚Racheengel‘ beschrieben wird. Eine richtige Entwicklung wird nicht gezeigt. Einzig Brandons Kommentar, dass sie anfängt, sich von ihrem Hass auffressen zu lassen, weist darauf hin, dass Hattie überhaupt sowas wie ein Innenleben hat.
Und natürlich ist das schlecht. Frauen sollen nicht hassen. Wenn Frauen hassen, dann brauchen sie einen Mann, der ihnen das Hassen wieder abgewöhnt. Das ist die Message dieses Buches. Frauen sind schwach und hilfsbedürftig. Sie sind verwirrt und bringen sich in Schwierigkeiten. Sie sind hysterisch und handeln irrational. Und sie können nichts!
Brandon hat das schon von Anfang an gewusst (und Hattie trotzdem auf ihrem Rachefeldzug begleitet).

Die Darstellung der Personen in diesem Roman ist extrem problematisch: Während die Männer entweder lüsterne Vergewaltiger oder bevormundende, vermeintlich heldenhafte Saubermänner sind, sind die Frauen ausschließlich Opfer (und zwar selbst dann wenn sie ein ’schweres Eisen‘ mit sich herumschleppen).
Bei einem Roman mit dem Titel ‚Die Rache einer Frau‘ hätte ich tatsächlich etwas mehr Selbstbewusstsein und Eigeninitiative der titelgebenden Protagonistin erwartet.

Dass sich häufig Beschreibungen wiederholen, habe ich bereits angedeutet. Diese Wiederholungen beziehen sich sowohl auf den Inhalt, als auch auf die Wortwahl.
Extrem peinlich wird das bei der pseudocoolen Sprache (‚das Eisen aus dem Leder ziehen‘ – gefühlte 200 Mal auf 180 Seiten. Man könnte ein Trinkspiel daraus machen.), die der Autor an den Tag legt und die nur übertroffen wird durch sinnlose Anglizismen (Stranger, Keeper‘).
Die schemenhaften Beschreibungen führen auch dazu, dass alle Frauen in diesem Buch anscheinend mehr oder weniger gleich aussehen (von der Haarfarbe einmal abgesehen – wobei bei mindestens einer Frau die Haarfarbe plötzlich zu wechseln scheint): Sie alle haben ‚volle Brüste‘ und einen ‚flachen Bauch‘. Außerdem haben sie ‚Brustknospen‘ und Schamhaare in der entsprechenden Farbe ihres Kopfhaars.
Oh ja: Sex: Die Männer in diesem Roman müssen eine Frau nur ansehen und fühlen schon gleich die ‚Erregung in ihren Lenden‘ und die Frauen – die streifen sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Klamotten vom Leib, um ihre ‚vollen Brüste‘ beschreiben zu lassen (und das obwohl diese Frauen alle traumatisiert sind von brutalen Vergewaltigungen und Folter) So viel zum prüden Amerika – Ha!
Dasselbe beim Thema Gewalt: ‚Knochensplitter‘, ‚graue Gehirnmasse‘ und der ‚dünne Blutstrom‘, der den sterbenden aus dem Mund fließt. Auch hier wiederholt sich so einiges.

Sehr seltsam erscheint mir ein Stilmittel, das der Autor hin und wieder einsetzt: Die Vorblende, bzw. unvorhersehbare Zeitsprünge, nach denen der Leser sich erstmal wieder völlig neu orientieren muss. Ich kenne dieses Stilmittel als ‚Flashback‘ – eine Art Rückblende, die in der Erinnerung einer Figur stattfinden (übrigens ein beliebtes Stilmittel gerade im Western), aber es funktioniert eben nicht ohne Anlass und Einleitung – und unabhängig von POV.
Entsprechend dieser Zeitsprünge wird innerhalb des Plots viel gerafft, nicht ausformuliert, sondern nur erwähnt. Hier wird man den Eindruck nicht los, dass der Autor einfach keine Lust zum Schreiben/Erzählen hatte. Szenen, die man wunderbar hätte ausmalen können (wie Brandon den Frauen das Schießen beibringt zum Beispiel), werden nur im Berichtstil abgehandelt. Show, don’t tell! Davon hat der Autor nur gerüchteweise gehört…
Insgesamt ist der Aufbau sehr verwirrend. Da man zusätzlich keine Verbindung zu den handelnden Figuren aufbaut, bleibt einem die ganze Szenerie fremd und unwirklich.
Oder, um es platt auszudrücken: Beim Lesen saß ich oft verwundert vor dem Text und dachte: ‚Hä?‘

Das Setting ist das eines Klischee-Spaghetti-Westerns. Es ist trocken und staubig, sehr staubig, unfassbar staubig! Außerdem gibt es Tumbleweedbüsche – ansonsten: keine Vegetation. Wasser und kleine Bachläufe scheint es jedoch überall da zugeben, wo der Autor eine kleine Bade-Sex-Szene für passend erachtet.
Es fehlen Beschreibungen der Sinneseindrücke und der Befindlichkeiten der Personen in der Beziehung zu ihrer Umgebung. Ich weiß noch nicht einmal, ob der Ort an dem diese Geschichte spielt, irgendwo genauer bestimmt wurde… Eine Reiseroute lässt sich jedenfalls nicht rekonstruieren.

Am Ende gibt es noch ein paar allgemeine Informationen zum Thema Postkutschen, die ganz interessant sind, den Roman aber leider auch nicht retten.

Solomon Northup „12 Years A Slave“

Als ich hörte, dass dieses Buch verfilmt worden sei, hatte ich erhebliche Zweifel, denn ich hielt und halte den Stoff für unverfilmbar – zumindest wenn es um einen Zwei-Stunden-Hollywood-Streifen geht. Mit „Amistad“ hatte sich die Filmindustrie ja bereits ordentlich blamiert, was historische Authentizität anging…

Solomon Northups autobiographische Schilderung der Sklaverei in den us-amerikanischen Südstaaten umfasst einen Zeitraum von zwölf Jahren. Die Erfahrungen, die er in dieser Zeit machte und die Menschen, die er kennen lernte, lassen sich nicht zu einem Drehbuch verdichten und in einem Plot einfangen und so ist sein Buch auch kein Roman und auch keine Autobiographie, sondern ein Bericht, eine Studie, wenn man so will, aus dem Inneren eines Unrechtssystems von einem, der auch den äußeren Blickwinkel kennt. Es ist damit vielleicht die authentischste Quelle aus jener Zeit, die wir haben.

Northup lebt als freier Mann mit seiner Familie im Staat New York. Er ist ein begabter Violinist und nach einem Engagement in Washington DC fällt er Menschenhändlern in die Hände, die ihn nach Louisiana verschleppen und als Sklaven verkaufen.

Er verbringt die folgenden zwölf Jahre auf verschiedenen Plantagen unter verschiedenen Herren, wird gekauft, verkauft, verpfändet und bei allen seinen Fluchtversuchen wieder eingefangen und zurückgebracht. Er behält die Hintergründe seiner Herkunft aus Angst zunächst für sich, bis es ihm gelingt, einem reisenden Kanadier seine Geschichte zu erzählen und einen Brief an seine Familie mitzugeben, die von New York aus schließlich seine Freilassung erwirken können.

Was Northup im Laufe seiner zwölf Jahre als Sklave erlebt und wie er es schafft, dabei nüchtern und friedfertig zu bleiben, ist einer der erschütterndsten Zeitzeugenberichte, die ich je gelesen habe. Er beschreibt die Erniedrigungen, der ein Mensch ausgesetzt ist, den man auf einem Sklavenmarkt feilbietet. Er erzählt die Geschichten von Kindern, die ihren Müttern entrissen werden, Paare, die getrennt werden, weiße Männern, die ihre schwarzen Mätressen in die Sklaverei abschieben, Menschen, die in ihrem Leben nie etwas anderes kennen gelernt haben, als geschlagen und zur Arbeit gezwungen zu werden, die abgestumpft sind und zu keinem Gefühl, keinem Selbstbewusstsein mehr fähig sind. Dann spricht er über die Arbeit, den Baumwollanbau, die Ernte, das Klima, die Natur und seine Herren, denen er zum Teil sogar einen guten Charakter bescheinigt. Sie seien korrumpiert durch ein System und die Gesellschaft. Sie wissen es nicht besser, sagt er an einer Stelle, entschuldigt jedoch nicht die Gewalt und die Unterdrückung. Er sagt auch, dass ihm die Arbeit an sich nichts ausmache, er könne sich gut vorstellen, als Landarbeiter seinen Lebensunterhalt zu verdienen und mit seiner Familie auf einer solchen Plantage zu leben, wenn ihnen nur eine würdevolle Behandlung zuteil werden würde.

Erstaunlich ist Northups Relativierung, ohne dabei seine Anklage, seine Kritik und seine Forderung nach Freiheit zu verraten. Er verliert sich nicht in Hass oder Schuldzuweisungen, sondern bleibt sachlich und konstruktiv – auch an Stellen, an denen man als Leser von Wut gepackt wird.

Northups Buch erschien ein paar Jahre vor dem Ausbruch des Sezessionskrieg und löste eine politische Debatte zum Thema Sklaverei aus. Es geriet dann viele Jahre in Vergessenheit, bis es 1968 wieder entdeckt wurde.

Der Umgang der US-Amerikaner mit ihrer eigenen Geschichte – insbesondere in den Südstaaten – lässt bekanntermaßen Demut eher vermissen. Das erste Museum für afroamerikanische Geschichte und damit auch ein Mahnmal gegen die Sklaverei wurde erst im Jahr 2016 in Washington DC eröffnet. (Soviel zu Nationen, die sich Denkmäler der Schande in ihre Hauptstädte pflanzen… Wobei man fairerweise anmerken muss, dass in dem Museum auch andere Exponate ausgestellt werden, die nichts mit der Sklaverei und der Apartheit zu tun haben.) Umso interessanter ist es, ein Werk zu lesen, das sich so sehr gegen eine vorherrschende Mentalität stellt und Dinge anspricht, die wehtun, weil sie wahr sind.

Den Film könnt ihr indes trotz gewonnenem Oscar getrost vergessen. Er wird der Epik des Buches nicht gerecht und ersetzt die Nüchternheit und die Klarheit der Sprache durch filmtechnischen Pathos. Gleichzeitig wirkt der Film nicht so, als decke er einen Zeitraum von 12 Jahren ab, sondern eher so, als würde der Irrtum, der Solomon Northup in die Sklaverei brachte, nach ein paar Wochen aufgeklärt und richtig gestellt.

Nehmt euch also lieber das Buch vor, wenn ihr ein echtes Zeitzeugnis und keinen fiktiven Roman oder eine Nachbearbeitung lesen wollt.